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Fundstücke von damals…

Hans-Joachim Schneider wurde in Solln geboren und ist mit drei Jahren weggezogen. Mit Solln fühlt er sich immer noch stark verbunden und hat diesem Stadtteil sogar ein Gedicht gewidmet.
Falls es noch jemanden gibt, der sich an das FLÜCHTLINGSLAGER SOLLN AN DER BERTELESTRAßE erinnert, bitte um Kontaktaufnahme an office@sollnermagazin.de.

Winterbilder an der Sollner Wohnbaracke 1949 – dahinter die Bertelestraße

Ich erblickte in einem Mütterheim, in unmittelbarer Nähe zum „Flüchtlingslager Solln“, erste Bleibe meiner Eltern aus der Slowakei, am 23.05.1948 das Licht der Welt. Obwohl ich mit drittem Lebensjahr wegzog, habe ich dennoch einige Erinnerungen.So „dirigierte“ ich aus dem Kinderwagen meine Oma entweder „Zugi geh’n“ (Großhesselohe Bhf.) oder auch „Pullach F’iedhof“ (südl. gelegener Pullacher Stadtfriedhof).

Unvergeßlich der unschuldige Kindergesang meiner mich „hütenden“ Tante Maria, damals zehn Jahre. Sie setzte mich aus dem Kinderwagen auf einen der Holzmasten aufgestapelter Telefon-/Stromstangen unweit des Lagers, pflückte Wiesenblumen und sang: „„Mütterlein kehrt nicht mehr wieder….“. Ich verstand den Sinngehalt des Textes und heulte los. Sofort nahm sie mich in die Arme zur Beruhigung, – so gut sie’s vermochte, denn sie weinte selbst: Ihre leibliche Mutter kam in der Slowakei durch Unfall im Rahmen der Internierung ums Leben und durch den frühen Tod meines Großvaters (5 Mon. nach meiner Geburt / Lungen-Gasvergiftungsfolgen i. I. Wkrg.-Dolomitenfront als Kaiserjäger) war sie selbst Vollwaise….

Vater und Onkel

Sollner Wurzel
Wohin das Leben mich auch trieb, –
tief im Herzen, – eins mir blieb,
mal ungestüm, mal zag, verstohl’n,
mein Bayern-Kleinod: München-Solln.
Hier – einst aus der Mutter Schoß
das Licht der Welt erblickt – und wurde groß;
der Kindheit Glück, manch Erst-Erleben
bringt heut mein Inn’res noch zum Beben…
Sind auch schon siebzig Jahr verflossen,
bleibst „München-Solln“ ins Herz geschlossen.
Sterb ich einst ohne „Weiß-Blau-Zier“,
sinkt ins Grab ein Stück von Dir!

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